Ein neuer Bericht untersucht die Menschenrechtssituation indischer Arbeitsmigrant:innen in Armenien und zeigt eine komplexe Realität hinter einer Migrationsroute, die zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Armenien hat in den letzten Jahren seinen Arbeitsmarkt stärker für ausländische Arbeitskräfte geöffnet. Gleichzeitig wurden Verfahren zur Arbeitserlaubnis vereinfacht, unter anderem durch digitale Plattformen wie workpermit.am
. Diese Entwicklungen schaffen neue Möglichkeiten für Arbeitsmigration.
Die neue Studie zeigt jedoch, dass die Situation vieler Migrant:innen deutlich komplizierter ist.
Die Untersuchung basiert auf ausführlichen Interviews mit indischen Arbeitsmigrant:innen, die in Armenien in verschiedenen Branchen arbeiten, darunter Bauwesen, Landwirtschaft, Einzelhandel, Gastronomie, Lieferdienste und Produktion.
Warum indische Arbeitsmigrant:innen nach Armenien kommen
Einige der Befragten berichten von stabilen Arbeitsverhältnissen und fairen Arbeitgebern. Andere schildern jedoch problematische Erfahrungen. Dazu gehören informelle Beschäftigung, unsichere Arbeitsbedingungen, verspätete Lohnzahlungen sowie eingeschränkter Zugang zu Gesundheitsversorgung und sozialen Leistungen.
Ein zentrales Ergebnis des Berichts betrifft die Motivation vieler Migrant:innen, nach Armenien zu kommen.
Mehrere Interviewpartner erklärten, dass Vermittlungsagenturen in Indien Armenien als möglichen Ausgangspunkt für eine spätere Weiterreise nach Europa darstellen. Diese Erwartungen beeinflussen häufig bereits die Entscheidung zur Migration.
Nach der Ankunft in Armenien finden sich viele Migrant:innen jedoch in körperlich anspruchsvollen und niedrig bezahlten Tätigkeiten wieder. Besonders häufig arbeiten sie im Bauwesen, in der Landwirtschaft, in Lieferdiensten oder im Einzelhandel.
Die Arbeitszeiten sind häufig lang, während Sicherheitsstandards und Schutzmaßnahmen nicht immer gewährleistet sind. In einigen Fällen berichteten Migrant:innen auch von verspäteten oder unvollständigen Lohnzahlungen.
Obwohl Armenien über ein rechtliches System für Arbeitsgenehmigungen und befristete Aufenthaltstitel verfügt, zeigt die Studie, dass viele Arbeitsmigrant:innen weiterhin außerhalb dieses formellen Systems arbeiten.
Fehlende Dokumentation erhöht die Verwundbarkeit von Migrant:innen erheblich.
Ohne gültigen Aufenthaltsstatus wird es schwieriger, Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen zu erhalten, rechtliche Unterstützung zu suchen oder gegen ausbeuterische Arbeitsbedingungen vorzugehen.
Arbeitsbedingungen indischer Arbeitsmigranten in Armenien
Auch Sprachbarrieren und mangelnde Informationen erschweren es vielen Migrant:innen, administrative Verfahren zu verstehen oder ihre Rechte geltend zu machen.
Gleichzeitig zeigt der Bericht, dass es auch positive Beispiele gibt. Einige Migrant:innen berichteten von regulären Arbeitsverträgen, pünktlichen Lohnzahlungen und Arbeitgebern, die Unterkunft zur Verfügung stellen.
Diese Beispiele verdeutlichen, dass faire Arbeitsbedingungen möglich sind, jedoch nicht überall umgesetzt werden.
Die Ergebnisse des Berichts weisen auf strukturelle Herausforderungen im Bereich der Arbeitsmigration hin. Dazu gehören unter anderem Lücken bei der Durchsetzung von Arbeitsstandards, begrenzte Informationsangebote für Migrant:innen sowie die Rolle informeller Vermittlungsnetzwerke.
Gleichzeitig eröffnet die aktuelle politische Entwicklung neue Chancen für Reformen.
Der laufende Prozess der Visa-Liberalisierung zwischen der Europäischen Union und Armenien beinhaltet auch Maßnahmen zur Verbesserung von Arbeitsmigration, Menschenrechtsschutz, Antidiskriminierung und Maßnahmen gegen Menschenhandel.
Eine Stärkung dieser Bereiche könnte dazu beitragen, Arbeitsmigration in Armenien besser zu regulieren und die Rechte von Migrant:innen effektiver zu schützen.
Der Bericht empfiehlt daher eine engere Zusammenarbeit zwischen staatlichen Institutionen, Arbeitgebern, zivilgesellschaftlichen Organisationen und internationalen Partnern.
Ziel sollte es sein, Arbeitsmigration in einen Rahmen zu überführen, der auf Rechten, Würde und sozialer Integration basiert.
Read the full report on Araminta to learn more about the experiences of Indian labour migrants in Armenia and the policy steps that could help transform labour migration into a system that protects workers while supporting economic development.
Foto: Auszug aus einem Video, das vor August 2025 auf YouTube unter der Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht wurde. (YouTube änderte die Lizenzversion am 1. August 2025 von CC BY 3.0 auf CC BY 4.0; diese Änderung gilt nicht rückwirkend.). Urheberangabe: Narendra Modi