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Auf der International Roundtable Conference 2026 in Leipzig stellte Araminta einen Vorschlag für eine EU-Richtlinie vor, die Menschenrechtsverteidigern Schutz bieten soll, ohne dass sie ihre wichtige Arbeit aufgeben müssen.

Was passiert, wenn der Einsatz für Menschenrechte so gefährlich wird, dass ein Bleiben im Land unmöglich ist, eine Flucht jedoch genau die Verbindungen kappt, die diese Arbeit erst möglich machen?

Für viele Menschenrechtsverteidiger, die verfolgt werden, ist das längst keine theoretische Frage mehr. Wer im Ausland Schutz sucht, lässt häufig sein soziales Umfeld, berufliche Netzwerke und die Früchte jahrelanger Menschenrechtsarbeit zurück. Ob eine Rückkehr jemals möglich sein wird, bleibt oft ungewiss.

Auf der International Roundtable Conference (IRT26) in Leipzig stand dieses Dilemma im Mittelpunkt einer Debatte darüber, wie Europa Menschen besser schützen kann, die sich für die Verteidigung der Grundrechte einsetzen.

Die von der Stiftung Friedliche Revolution organisierte Konferenz fand vom 8. bis 10. Oktober statt. Aktivisten und Vertreter der Zivilgesellschaft kamen zusammen, um sich über demokratischen Wandel, zivilgesellschaftlichen Widerstand und Menschenrechte auszutauschen.

Schutz neu denken

Im Rahmen einer offenen Diskussionsrunde am 9. Oktober stellten Nadiya Shafi und Getu Saketa Roro, die Araminta auf der Konferenz vertraten, den Vorschlag der Organisation für eine EU-Richtlinie zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern vor.

Der Vorschlag sieht klar geregelte und leichter zugängliche Möglichkeiten vor, innerhalb der Europäischen Union vorübergehend Schutz zu finden. Zugleich sollen Menschenrechtsverteidiger ihre Arbeit über Landesgrenzen hinweg fortsetzen und in ihre Heimat zurückkehren können, sobald die Umstände es erlauben.

Getu Saketa Roro bringt es auf den Punkt:

„Schutz sollte Menschenrechtsverteidigern ermöglichen, ihre Arbeit fortzusetzen, statt sie dazu zu zwingen, ihren Einsatz für die Menschenrechte aufzugeben.“

Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Frage, wie ein solcher Schutz in der Praxis ausgestaltet werden könnte: von den Voraussetzungen für die Aufnahme und den aufenthaltsrechtlichen Regelungen über die grenzüberschreitende Mobilität bis hin zur Möglichkeit einer sicheren Rückkehr.

Erfahrungen aus erster Hand für Europas Menschenrechtspolitik

Diese Fragen stehen auch im Mittelpunkt von Aramintas Bemühungen, ein europäisches Netzwerk für Menschenrechtsverteidiger im Exil aufzubauen. Es soll Menschen zusammenbringen, die sich weiterhin politisch engagieren und ihre Erfahrungen und ihr Fachwissen in ihren Aufnahmeländern einbringen wollen.

Ihre eigenen Erfahrungen mit Flucht, rechtlicher Unsicherheit und eingeschränkter Bewegungsfreiheit liefern wichtige Erkenntnisse darüber, wie wirksamer Schutz gestaltet werden muss.

Die Community of Advocates ist als europaweite Initiative angelegt und wird derzeit in Deutschland in Zusammenarbeit mit CSF aufgebaut.

Die Diskussionen auf der IRT26 waren ein weiterer Schritt, um den Richtlinienvorschlag in der europäischen Zivilgesellschaft bekannt zu machen und die Debatte darüber voranzubringen. Damit aus den Ideen konkrete politische Maßnahmen werden, braucht es einen kontinuierlichen Austausch mit Menschenrechtsverteidigern, zivilgesellschaftlichen Organisationen und politischen Entscheidungsträgern auf europäischer Ebene.

Dahinter steht ein einfacher Grundsatz: Wer Schutz sucht, sollte seinen Einsatz für die Menschenrechte nicht aufgeben müssen.


Der fünfte International Roundtable (IRT26) fand vom 8. bis 10. Oktober 2026 in Leipzig statt. Unter dem Motto „Democratic Memories. Democratic Futures“ brachte die Stiftung Friedliche Revolution internationale Teilnehmer zusammen, um über demokratische Erinnerungskultur und aktuelle Herausforderungen der Zivilgesellschaft zu diskutieren. Die alle zwei Jahre stattfindende Konferenz erinnert an die Friedliche Revolution vom 9. Oktober 1989, als mehr als 70.000 Menschen in Leipzig friedlich gegen das DDR-Regime demonstrierten und damit den Weg für den Fall der Berliner Mauer ebneten. Weitere Informationen gibt es bei Revolutionale und auf Instagram unter @revolutionale_leipzig.